Roland Westphal in der Zeitschrift „Der Hamburger“

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Der Vater des Öko-Thrillers. Den Titel trägt der Hamburger Journalist und Autor Dirk C. Fleck seit dem Erscheinen seines ersten Umwelt-Romans. Mit dem »Tahiti-Projekt« ist ihm nun ein weiteres erfolgreiches Buch zum Thema gelungen, und er schreibt sogar schon an dessen Fortsetzung.

Er konnte es nicht mehr ertragen, das immerwährende Gejammer über den desolaten Zustand unseres Planeten. Er konnte sie nicht mehr hören, die sich ständig wiederholenden Nachrichten über Sünden an der Umwelt. Über Verpestung und Verseuchung von Luft, Boden und Wasser, über Regenwaldzerstörung, aussterbende Tierarten und Klimakatastrophe. Dirk C. Fleck, ehemaliger Lokalchef der »Hamburger Morgenpost«, Redakteur und freier Autor bei »Merian«, »GEO«, »Stern« und »Der Spiegel« wurde fast täglich mit negativen Meldungen von der Öko-Front bombardiert. »Das hat mich depressiv gemacht«, sagt der 67-Jährige und guckt bekümmert. Er sitzt auf dem Sofa seiner Altbauwohnung in Winterhude, in der er seit fast 30 Jahren lebt und wird richtig zornig, wenn er sich erinnert: »Ich hab’ mir die Finger wund geschrieben, in unzähligen Artikeln auf Umweltverbrechen hingewiesen – und so gut wie nichts ist passiert.

Dabei haben Wissenschaftler längst gezeigt, wie viele Möglichkeiten es gibt, um nachhaltig und naturverträglich zu handeln. Ich war der festen Überzeugung, dass die Menschheit sehenden Auges auf den ökologischen Kollaps zusteuert und dass unser politisches System, die Demokratie, nicht in der Lage ist, die Dinge zu ändern.«

Diese bittere Erkenntnis brachte Dirk C. Fleck auf eine Idee: »Ich hatte mir vorgestellt, wie wohl der letzte politische Notwehrreflex funktionieren würde, wenn der sich anbahnende Ökozid erst einmal jeden und alles auf der Erde bedroht.« Das Ergebnis: Ein Roman, der ihn laut der Zeitung »taz« zum »Vater des Öko-Thrillers« machte. Das Buch heißt »GO! Die Ökodiktatur« und spielt im Jahr 2040. Die Umweltbedingungen haben sich dramatisch verschlechtert. In den ehemaligen westlichen Industrieländern regieren radikale Öko-Räte, es herrscht Reise- und Bauverbot, Geld ist abgeschafft, vegetarische Grundnahrungsmittel werden zugeteilt, jeder Bürger zwischen 18 und 55 ist verpflichtet, seine Arbeitskraft in den ökologischen Neuaufbau zu stecken. Gleichzeitig lernen sie unter Anleitung spiritueller Lehrer, sich mit der Natur zu versöhnen.

»Mit dem Buch habe ich mir meinen Frust von der Seele geschrieben«, sagt der Autor. Was er nicht ahnen konnte: Der Roman wurde ein Verkaufserfolg, mit dem Deutschen Science Fiction Preis ausgezeichnet, ins Türkische und Japanische übersetzt und löste hitzige Debatten aus. Während ihm die einen vorwarfen, ein unmenschliches Regierungssystem zu propagieren, lobten andere das Werk als eindrucksvolle Warnung und als beklemmende Vision, die mit jedem Jahr erschreckend aktueller wird. »Nach der Veröffentlichung des Romans wollte ich mit dem Thema Öko nichts mehr zu tun haben, weil ich ja nicht an einen Wandel glaubte«, erzählt Fleck, »auch die zahlreichen Talkshows, in denen über mein Buch diskutiert wurde, konnten meine Meinung nicht ändern.« Er wollte sich künftig aus der Debatte heraushalten, »solange sie nicht die Bereitschaft zur Radikalität erkennen lässt.«

Dieser Zeitpunkt kam, als der erfolgreiche Pessimist von Vertretern eines Konzeptes angesprochen wurde, das sich »Equilibrismus« nennt, frei übersetzt »Gleichgewicht«. Eine Idee, die von Prominenten wie dem inzwischen verstorbenen Sir Peter Ustinov und dem ehemaligen VW-Vorstand Daniel Goeudevert unterstützt wird. »Das hat mich vom ersten Augenblick an fasziniert«, sagt Dirk C. Fleck, »weil es konsequent die Ursachen der bisherigen Fehlentwicklungen ansteuert und weil die Umsetzung nicht von oben, von den politisch und wirtschaftlich Mächtigen, sondern von unten ausgeht, von einem regionalen Modellprojekt, das zur Nachahmung anregt.«

Genau so ein Modellprojekt sollte im Mittelpunkt des neuen Romans stehen, den Dirk C. Fleck auf Wunsch der »Equilibrismus«-Vertreter, die inzwischen ein Sachbuch darüber veröffentlicht hatten, schreiben sollte. Sozusagen als positive Variante der »Ökodiktatur«. »Ich war mir nicht sicher, ob das funktionieren würde. Ein Roman auf Basis eines Sachbuches hat es noch nicht gegeben.« Und dann gab’s da noch die Frage, wo das Ganze denn spielen sollte. »Als der Vorschlag Tahiti kam«, erzählt Fleck, »hab’ ich erst mal abgelehnt mit dem Hinweis, nicht über ein Land schreiben zu können, das ich nicht kenne. Na ja, dann sind wir einfach hingefahren und haben erkennen müssen, dass selbst in einem vermeintlichen Südsee-Paradies die Umweltsituation erschreckend ist.« Das Resultat wochenlanger Recherchen und monatelanger Schreibarbeit heißt »Das Tahiti Projekt« und ist ein Roman über ein radikal ökologisches Lebenskonzept, über das harmonische Zusammenspiel von wiederentdeckter Tradition, Natur und neuester Umwelttechnologien. Ein gelungenes Buch, das Hoffnung macht. Davon ist auch die Jury des Deutschen Science Fiction Preises überzeugt. Sie zeichnete Fleck im vergangenen Jahr zum zweiten Mal aus. Und Jean Ziegler, der UN-Menschenrechtskommissar kommentierte: » ›Das Tahiti Projekt‹ ist ein äußerst realistischer, kluger und brillant geschriebener Zukunftsroman.«

Der so Gelobte schreibt deshalb inzwischen an der Fortsetzung – Arbeitstitel »Das Tahiti Virus«. »Darin geht es um die ansteckende Wirkung des Tahiti-Modells auf andere Länder, die ebenfalls versuchen, ihre geschundene Umwelt wieder ins Gleichgewicht zu bringen,« erzählt Fleck schon jetzt begeistert. Es scheint, dass sich der hoffnungslose Öko-Pessimist zum Umwelt-Optimisten gewandelt hat. »Nicht ganz«, sagt er und guckt schon wieder bedrückt, »aber in dieser chaotischen Zeit muss man doch ein bisschen Hoffnung verbreiten.« Dann fügt er noch hinzu: »Denken Sie dran: Während wir uns unterhalten haben, ist der Regenwald auf der Erde um die Größe der Stadt München geschrumpft.«

Die Maeva Trilogie

Maeva Trilogie frei t

Maeva ist der zweite Teil der Maeva Trilogie.

Außerdem erschienen sind

Das Tahiti Projekt

sowie

Feuer am Fuss

Die Romane sind dennoch eigenständige Geschichten und können problemlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

 

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